Pilz-Buch über Pilnacek

  • Beitrags-Kategorie:Archiv / Politik
  • Lesedauer:8 min Lesezeit

Peter Pilz hat seine Qualitäten als Aufdecker schon oft bewiesen. Unbestritten ist sein Hang zu Übertreibungen, sein Spiel mit Vermutungen und seine Koketterie mit der eigenen Bedeutung. In seinem jüngsten Buch „Pilnacek – Der Tod des Sektionschefs“ (ZackZack Verlag) wirft der frühere Abgeordnete und jetzige Journalist brisante Fragen im Zusammenhang mit dem Tod von Sektionschef Dr. Christian Pilnacek auf.

Zwar hat die Polizei in einer ersten Reaktion alle Vorwürfe bestritten, nicht sachgemäß ermittelt zu haben. Dennoch hat das Buch zu weiteren Schritten der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) geführt. Bei der Präsentation seines Buches in der Kulisse, die von „Die Dunkelkammer“ aufgezeichnet wurde, geht Peter Pilz sogar noch über das Geschriebene hinaus.

Die aufgeworfenen Fragen drehen sich um drei zentrale Kreise: die Art und Weise, wie Sektionschef Pilnacek zu Tode gekommen ist, wie nach Auffindung seiner Leiche vorgegangen wurde und warum wichtige Datenträger des Verstorbenen wie privates Handy, Laptop, Stick und Datenuhr verschwunden oder auf seltsamen Umwegen teilweise aufgetaucht sind.

Der Tod des einstigen Super-Sektionschefs

Pilz zeichnet sehr genau den letzten Abend des verstorbenen Sektionschefs nach (19. Oktober 2023), der während dieses Tages einerseits als eher optimistisch gestimmt wahrgenommen wurde, anderseits aber einen Termin mit Herbert Kickl anstrebte. Anders als geplant, übernachtete er nicht in seiner Wiener Wohnung, sondern fuhr mit seinem Auto nach Rossatz, zu seiner Geliebten.

Neu für mich war die Information, dass Pilnacek auf der Fahrt nach Rossatz wieder umgedreht hatte und erst auf dem Weg nach Wien zum Geisterfahrer wurde. Die Polizei stoppte ihn und stellte einen Alkoholisierungsgrad von 1,4 Promille fest, sodass er nicht mehr weiterfahrend durfte. Da seine Geliebte schon schlief, holte ihn die Mitbewohnerin seiner Geliebten ab, eine Mitarbeiterin des damaligen Präsidenten des Nationalrats, Dr. Wolfgang Sobotka. Laut den Pilz‘ schen Recherchen gab sich der Sektionschef wortkarg, tippte aber ständig in sein Handy, trank noch eine halbe Flasche Prosecco,  saß stundenlang auf der Terrasse , wobei er ständig in sein Handy tippte. Um ein Uhr in der Nacht verließ er das Haus, ohne Schlüssel, ohne Brieftasche und ohne Handy. Nur die Google-Armbanduhr trug er bei sich.

Folgende Fragen bleiben offen: Warum hat Pilnacek an diesem Abend zweimal seine Pläne geändert? Warum wollte er dann doch wieder nach Wien zurück? Wen hat er nach der Geisterfahrt kontaktiert? Kann es sein, dass er jemanden um Hilfe angerufen hat, damit diese Angelegenheit unter den Tisch gekehrt wird, die seine erhoffte Rehabilitation gefährdet hätte? Peter Pilz betont in diesem Zusammenhang, dass Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz sofort nach Bekanntwerden des Ablebens des Sektionschefs von sich aus gesagt hatte, er habe mit Pilnacek nur ein paar Stunden vor dessen Suizid noch telefoniert. Pilz findet es bemerkenswert, dass Kurz bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ganz fix von einem Selbstmord des Sektionschefs ausging, der ihn – obwohl suspendiert – in rechtlichen Dingen beraten hatte. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Todeszeitpunkt ungenau – Zustand der Leiche

Am nächsten Tag, kurz vor 8 Uhr wurde Pilnaceks Leiche gefunden, in einem seichten Arm der Donau, mit dem Gesicht nach oben. Pilz beschreibt akribisch den Ablauf und stellt fest, dass bei der Auffindung der Leiche offensichtlich nicht vorschriftsgemäß vorgegangen wurde, was von den Behörden jedoch sofort bestritten wurde. Die Vorwürfe des Buchautors: Der Fundort sei nicht richtig abgeriegelt worden, auf die genaue Temperaturmessung im Körper habe man verzichtet, mit der man den genauen Todeszeitpunkt hätte feststellen können. Es fand dann erst auf Betreiben der Notfallärztin eine Obduktion statt. Man legte sich – ohne Vorliegen des Obduktionsberichts derselben – darauf fest, dass es sich um einen Suizid handle, womit das Unterlassen bestimmter Handlungen durch die Polizei gerechtfertigt wurde. So verzichtete man darauf, sich von den zwei Frauen – der Geliebten und der Mitbewohnerin – sich das Handy des Verstorbenen und dessen Laptop aushändigen zu lassen. Vielmehr sorgte die ermittelnde Polizei dafür, dass die in Graz lebende Frau des Verstorbenen ziemlich rasch das private Handy des Verstorbenen bekam (über ihren Anwalt), das sie später mit einem Bunsenbrenner vernichtete. Aus Kummer, wie sie bei ihrer Einvernahme sagte.

Privates Handy zerstört – Laptop bei WKStA in Auswertung

Ausgerechnet jenes Handy, in das Pilnacek in seiner Todesnacht noch so oft und intensiv getippt hatte und das als wichtiges Beweismittel geholfen hätte, die letzten Stunden des Sektionschefs zu klären, verschwand auf diese Weise spurlos. Der Laptop, den Pilnacek noch aus seinem Auto geholt und mit nach Rossatz gebracht hatte, tauchte später auf Umwegen in der Redaktion der Kronenzeitung auf. Dieser Laptop, der wichtige Dokumente des Sektionschefs enthielt, wurde von der Kronenzeitung an Martin Kreutner übergeben, den Vorsitzenden jener Untersuchungskommission, die im Auftrag der Justizministerin die gesamte Amtszeit des Supersektionchefs Pilnaceks untersuchte. Martin Kreutner reichte den Laptop an die WKStA weiter, die den Inhalt des Laptops gerade auswertet.

Google-Uhr nicht ausgewertet

Kopien aus dem Laptop fanden über einige Journalisten, darunter die Kronenzeitung und Peter Pilz mit ZackZack den Weg in die Öffentlichkeit. Für Irritationen sorgte dieser Laptop deshalb,  weil die beim Nationalratspräsidenten Sobotka angestellte Mitbewohnerin zunächst nichts von der Existenz des Laptops gesagt hatte und später vom Bundespolizeipräsidenten persönlich um Rat gefragt hatte, was mit dem Laptop zu tun sein. Ob dieser ihr tatsächlich geraten hatte, den Laptop verschwinden zu lassen wird derzeit von der WKStA überprüft. Pilz kritisiert auch, dass die Google-Uhr, die Pilnacek zum Zeitpunkt seines Todes noch am Arm hatte, nicht ausgewertet worden sei, obwohl man mit ihrer Hilfe den Todeszeitpunkt hätte näher eingrenzen können.

Obduktionsbericht sinnwidrig gekürzt

Der Obduktionsbericht stellte Tod durch Ertrinken fest. Einen ausdrücklichen Hinweis auf Selbstmord ist darin nicht zu finden. Der Obduktionsbericht stellte fest, dass es keine eindeutigen Hinweise auf grobe Einwirkungen durch fremde Hand gegeben habe.  Aus diesem Satz strich die Polizei die zwei Eigenschaftswörter eindeutig und grobe heraus, sodass es nun hieß….dass es keine Hinweise auf Einwirkungen durch fremde Hand gegeben habe. Diese Kürzung sei irreführend, meint nicht nur Pilz, sondern jeder und jede, die des Deutschen mächtig sind.

Mit Hilfe von zwei unterschiedlichen Expertengutachten versucht Peter Pilz zu belegen, dass die beim Sektionschef festgestellten insgesamt 20 teilweise schwere Verletzungen weder durch Selbstmord noch durch einem Unfall zustande gekommen seien. Nach einem Augenschein beim Unfallort gelangt Pilz zur Ansicht, dass auch der Ort der Auffindung der Leiche nicht mit einem möglichen Sturz in Einklang zu bringen sei.

Zusammenfassend kommt Pilz zum Ergebnis, dass Pilnacek nicht so gestorben ist, wie es scheint. Als eines von mehreren Szenarien schließt Pilz nicht aus, dass der Sektionschef in den Unfalltod getrieben oder ermordet worden sei.